Chants of Sennaar – Wenn Sprache zum Gameplay wird

Veröffentlicht am 11. Januar 2026 um 12:00
prince of persia the lost crown

Ein Game, das das Erlernen mehrerer fremder Sprachen direkt ins Gameplay integriert? Klingt nach Theorieunterricht, ist aber überraschend clever umgesetzt. Chants of Sennaar wagt ein Konzept, das es so bisher kaum gab.

 

Durch die Handlungen der Bewohner, Wandgemälde und Symbole erschließt ihr euch nach und nach die Bedeutung der Glyphen. Ihr lernt nicht durch Tutorials, sondern durch Beobachtung, Schlussfolgerungen und viel Ausprobieren. Auf dieser Grundlage erwarten euch immer komplexer werdende Rätsel, um mit den Bewohnern zu kommunizieren und Aufgaben zu lösen.

In den verschiedenen Gebieten trefft ihr auf neue Glyphen, die teils ähnliche oder sogar identische Bedeutungen haben können wie bereits bekannte Symbole. Das sorgt für Verwirrung, aber auch für echte Aha-Momente.

 

Ohne große Hilfe durch die Welt

Die Bedeutungen der Glyphen tragt ihr selbst ein, ohne vorgegebene Begriffe. Auf Schildern, Gemälden und in Dialogen werden dann genau diese eigenen Interpretationen verwendet.

Das Spiel greift euch dabei nicht unter die Arme: Fehlinterpretationen bleiben Fehlinterpretationen.

 

Sobald ihr ein größeres Set an Glyphen gesammelt habt, gibt es eine Art Überprüfung. Zeichnungen müssen den passenden Glyphen zugeordnet werden. Ist alles korrekt, wird das bestätigt. Ist etwas falsch, gibt es keinerlei Hinweis, was falsch ist. Konsequenz: Zurück an den Denkprozess.

 

Grafik: Der minimalistische Grafikstil passt hervorragend zum Spiel und lenkt den Fokus klar auf das Kernkonzept. In den recht großen Arealen sammelt ihr Glyphen, erweitert Bedeutungen und trefft auf einige angenehm skurrile Charaktere.

 

Eine Karte gibt es nicht, was die Orientierung teilweise unnötig erschwert. Später kommen neben den Rätseln auch Schleichpassagen hinzu, die das Gameplay etwas auflockern, aber nicht immer überzeugen.

 

Fun Fact
Die Entwickler haben die Sprachen im Spiel nicht einfach als Fantasie-Gekritzel gebaut. Die Glyphen folgen echten sprachwissenschaftlichen Prinzipien. Bedeutungen ergeben sich aus Kontext, Grammatik und Wiederholung, ähnlich wie Linguisten reale, ausgestorbene Sprachen entschlüsseln. Wer logisch falsch kombiniert, „spricht“ im Spiel wirklich eine falsche Sprache und kommt deshalb nicht weiter.

Man spielt Archäologe, Linguist und Puzzle-Fan gleichzeitig. Ein Game, das euer Gehirn respektiert und dabei trotzdem null Mitleid zeigt.

Kurz gesagt

Die außergewöhnliche Spielidee trägt das Game problemlos über seine kurze Spielzeit. Eine bessere Orientierung hätte dem Spielerlebnis gutgetan. Die Interpretation der Glyphen ist stellenweise anspruchsvoll und wird nicht durch ein Hilfesystem abgefedert, wodurch der Schwierigkeitsgrad spürbar ansteigt. Wer bereit ist zu experimentieren, zu scheitern und neu zu denken, wird hier aber ein einzigartiges Erlebnis finden.

 

Spieldauer: ca. 10h

Spielbar auf:

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